Behandlungsverlauf

Wie gestalten sich der typische Verlauf einer Fehlsichtigkeitskorrektur mittels Implantation einer zusätzlichen Kunstlinse und der Heilungverlauf nach der Operation?

Zur Behandlung hoher Kurz- und Weitsichtigkeit gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, eine zusätzliche Kunstlinse in das Auge zu implantieren.

Die hierbei angewandte Operationsmethode ist vergleichbar mit der Kataraktoperation (Grauer Star). Bei der Kataraktoperation wird aber die erkrankte, trübe Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt.

Bei der im Anschluss vorgestellten Methode zur Korrektur von Myopie, Hyperopie oder Astigmatismus verbleibt die natürliche Linse, die ja nicht erkrankt ist, jedoch im Auge und die Kunstlinse wird zusätzlich implantiert. Eine Altersweitsichtigkeit, die in der Regel etwa ab dem 45. Lebensjahr auftritt, kann durch diese Operation nicht behoben werden.

Die wichtigsten aktuellen Verfahren für die Korrektur von Kurz- und Weitsichtigkeit durch eine zusätzliche Linsenimplantation sind:

  • ARTISAN-Linse:
    Die Kunstlinse wird an der Regenbogenhaut (Iris) fixiert.
  • Vorderkammer-Linse:
    Die Linse wird in die Vorderkammer des Auges eingeführt und im Kammerwinkel gestützt.
  • ICL oder ähnliche Systeme:
    Die künstliche Linse wird hinter die Iris geführt und schwimmt wie eine Kontaktlinse auf der Vorderfläche der eigenen Linse.

Die operativen Zugänge am Auge werden mit feinen Fäden vernäht, die nach einigen Monaten entfernt werden oder auch im Auge verbleiben können. In geeigneten Fällen kann eine Naht unterbleiben und die Wunde verschließt sich von selbst.

Postoperative Kontrollen sind zur Beobachtung des Heilungsverlaufs unumgänglich und aus diesem Grund gewissenhaft einzuhalten.

 

Die Operation

Die Operationen können ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Vor dem Eingriff erhalten Sie eine Beruhigungspille sowie eine Schmerztablette, und das zu operierende Auge wird mit Tropfen betäubt. Während der Operation sollten somit keine Schmerzen entstehen. Die Operation selbst dauert etwa 45 Minuten. Sie wird unter sterilen Bedingungen im Operationssaal unter dem Mikroskop durchgeführt. Das Auge wird unter schmerzfreien Bedingungen am Hornhautrand mit einem kleinen Schnitt von ca. 5 mm Länge eröffnet. Zusätzlich sind meist ein oder zwei weitere sehr kleine Schnitte notwendig. Nach der Eröffnung wird die Linse zusätzlich zu Ihrer eigenen Linse in das Auge implantiert. Die Eröffnungen des Auges werden mit hauchdünnen Fäden verschlossen. Die Fäden können je nach Befund nach mehreren Wochen  wieder entfernt werden. Auf die besonderen Implantationsorte der drei von uns verwendeten Linsentypen wird unten eingegangen. Zunächst wird üblicherweise ein Auge, dann zwei bis sieben Tage später das zweite Auge operiert.

Kurz nach der Operation werden Sie nochmals untersucht. Sie erhalten Augentropfen, die Sie während der ersten Wochen regelmäßig eintropfen müssen. In den Stunden nach der Operation sind Augentränen, Kratzgefühl und verschwommenes Sehen normal. Es kann auch ein leichtes Fremdkörper- oder Druckgefühl auftreten. Starke Schmerzen oder Stiche sind nicht normal, ebenso wie eine plötzliche Sehverschlechterung. Rufen Sie in diesen Fällen sofort uns oder Ihren behandelnden Augenarzt an! Bereits einige Tage nach der Operation wird in den meisten Fällen ein annähernd normales Sehvermögen erreicht. Nach der Kunstlinsen-Implantation sind starke Schwankungen der Brechkraft nicht mehr zu erwarten.

Typischer Verlauf bei der zusätzlichen Implantation einer Kunstlinse:

ARTISAN-Linse:

ARTISAN®-Linsen wurden 1991 erstmals implantiert und unterlagen bis heute einer bedeutenden technischen Weiterentwicklung. Sie bestehen aus einem Plexiglasmaterial, das seit über 50 Jahren in der Augenchirurgie verwendet wird und sich als besonders sicher und verträglich erwiesen hat. Sie hat einen Durchmesser von 8,5 mm, ist 1 mm dick und wiegt nur ca. 10 mg. Mit der Linse können Myopien von - 3 bis - 23,5 dpt und Hyperopien von + 1 bis + 12 dpt korrigiert werden.

Die ARTISAN-Linse wird in den Raum zwischen der durchsichtigen Hornhaut und der farbigen Regenbogenhaut eingeschoben. Die Linse wird in dieser so genannten Vorderkammer mit Hilfe ihrer Fixierarme an die Iris geklemmt.

 Vorderkammer-Linse:

Die Implantation einer Vorderkammer-Linse statt der natürlichen Linse ist ein bekanntes Operationsverfahren und wurde früher häufiger eingesetzt. Die zusätzliche Implantation einer Vorderkammer-Linse zu Ihrer eigenen Linse wird durch bedeutende technische Weiterentwicklungen ermöglicht. Nach der Eröffnung des Auges wird die Linse zwischen Regenbogenhaut und Hornhautrückfläche eingeführt und steht ohne weitere Fixierung im Kammerwinkel fest.

ICL oder ähnliche Systeme:

Die sogenannte implantierbare Kontaktlinse stellt eine weitere Alternative bei hohen Fehlsichtigkeiten dar. Diese spezielle Kunstlinse wird in das Innere des Auges zwischen die Regenbogenhaut und die Augenlinse in die sogenannte Hinterkammer eingesetzt. Diese Linse liegt also im Gegensatz zu den beiden oben erwähnten Linsen hinter der Iris. Auch diese Linse wurde technisch weiterentwickelt. Ältere Linsentypen werden heutzutage nicht mehr implantiert.

Welche Probleme und Risiken können bei einer Implantation von zusätzlichen Linsen auftreten?


Bei allen Verfahren können zusätzlich zu den allgemeinen Operationsrisiken noch weitere spezielle Risiken und Nebenwirkungen auftreten.

Da derartige Operationen in der Regel nicht unbedingt notwendig sind und die Verfahren als experimentell eingestuft werden, werden an die Patieten-Aufklärung und Darstellung von Risiken besonders hohe Ansprüche gestellt. Insbesondere müssen selbst ganz seltene Risiken offen gelegt werden.
Im Rahmen des Aufklärungsgespräches werden Sie über die Risiken genauestens informiert und offene Fragen können geklärt werden.

Muss ich Nachsorge-Termine wahrnehmen?

Bitte nehmen Sie die Kontrolluntersuchungen ernst, sie haben nicht unwesentlich Einfluss auf das Gesamtergebnis nach der Operation. Sie stellen sich jeweils am ersten postoperativen Tag in unserem Zentrum zur Kontrolle vor. Danach überweisen wir Sie für die weitere Nachsorge gerne zu Ihrem betreuenden Augenarzt.

Wie lange fallen Sie nach der Operation aus?

Nach der Operation sollten Sie sich mindestens 4 Wochen schonen. In dieser Zeit sind auch sportliche Anstrengungen, Sport, Solarium, Sauna oder Schwimmbäder zu meiden. Die Teilnahme am Straßenverkehr ist erst wieder möglich, sobald sich ein ausreichendes Sehvermögen an beiden operierten Augen eingestellt hat.

Was ist, wenn erst ein Auge behandelt wurde? Beeinträchtigt dies nicht die Sehkraft des gesunden Auges? Erhält man eine spezielle Brille?

Man bekommt bis zur operativen Behandlung des zweiten Auges eine Kontaktlinse oder eine entsprechende Brille. Allerdings kann es in der Zeit zwischen der Operation des einen und des anderen Auges aufgrund der (starken) Ungleichheit beider Augen zu Störungen des beidäugigen Sehvermögens kommen. Eventuell kann in dieser Zeit auch das Führen eines Kraftfahrzeugs unmöglich sein. Bitte beachten Sie auch, dass Sie eventuell Einschränkungen in Ihren beruflichen und privaten Tätigkeiten hinnehmen müssen.

Wie überbrücke ich die Zeit zwischen den Operationen beider Augen?

Falls die Implantation der Kunstlinsen nicht innerhalb von wenigen Tagen an beiden Augen durchgeführt werden kann, empfehlen wir folgendes Vorgehen:

Kontaktlinsenträger überbrücken diese Zeitraum ohne nennenswerte Probleme indem sie ihre Kontaktlinse auf dem noch nicht operierten Auge  weitertragen. Brillenträger müssen in diese Zeit entweder das noch nicht operierte Auge unkorrigiert lassen, oder die alte Brille weitertragen, welche dann aber  auf dem schon operierten Auge ein unscharfes Bild erzeugt.

Alterssichtigkeit

Weil Ihre natürliche Linse erhalten bleibt, können Sie mit dieser weiterhin akkommodieren, d.h. sich an das Sehen in der Nähe und in der Ferne anpassen. Da die Akkommodationsfähigkeit jedes Menschen mit dem Alter abnimmt, kann es sein, dass Sie später zur Korrektur Ihrer Altersweitsichtigkeit eine Lesebrille für Tätigkeiten im Nahbereich tragen müssen. Patienten, die schon altersweitsichtig sind, verwenden ihre Lesebrille (nur in einer anderesn Stärke) wie gewohnt.

Weitere Informationen

Verfahren und Material

Obwohl das Verfahren als experimentell angesehen wird, sind alle Schritte dieser Operation seit vielen Jahren bewährt und bekannt. Sie wurden in der Kataraktchirurgie mit sogenannten Vorderkammerlinsen weltweit bei mehr als drei Millionen Patienten angewandt. Die eingesetzten Linsentypen sind alle zertifiziert und daher mit einem CE-Zeichen versehen.

Effektivität des Verfahrens

Theoretische Kalkulationen, experimentelle Untersuchungen und die vorliegenden Ergebnisse der neuen ARTISAN®-Linsenmodelle über ca. 8 Jahre (bei einzelnen Patienten) belegen, dass mit der Implantation einer Artisan®-Linse ein sehr geeignetes Verfahren vorliegt, höhere Myopien und Hyperopien erfolgreich und langfristig zu korrigieren. Bei den anderen beiden Linsentypen (Vorderkammer-Linse und ICL) kann aufgrund Ihrer Neuartigkeit noch keine Beurteilung der Effektivität vorgenommen werden.

Das Ergebnis der Operation kann jedoch - wie bei jedem Eingriff - nicht 100%ig garantiert werden. In einigen Fällen kann es notwendig sein, dass auch weiterhin eine leichte Brille getragen werden muss, um eine optimale Sehleistung zu erlangen.

Aufklärungs- und Einverständnisformular

Das Aufklärungs- und Einverständniserklärungsformular erhalten Sie im Rahmen des Aufklärungsgesprächs.